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29. Oktober 2010 von Agapi

Chapeau Mädels!

Meine Mitarbeiterinnen kennen das schon – ich habe eine Idee, ich teile sie ihnen mit, ich frag sie nach ihrer Meinung, sie sagen mir ihre Meinung, ich nehme sie ernst. Ja, ich lasse mich bewegen von anderen Ansichten – ist es doch eines der schönsten Güter, ein „ehrliches Feedback“. Und dann checke ich natürlich noch die Umsetzbarkeit. So entstand die Sinnkind-Produktlinie. Die Aktion „Paten für Straßenkids“ unterstützen wir ja nun schon seit über 10 Jahren – dass ich sozial bin, kennen sie also.

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Erst kam Kalle in beige. Kalle ist der kleine Straßenköter, das Maskottchen vom Verein. Das war eine schwere Geburt. 2 ½ Jahre ging es zwischen den Chinesen und mir hin und her. Sie konnten sich partout nicht vorstellen, dass ich in Deutschland einen ramponiert Straßenköter als Werbemittel verwenden wollte und haben mir ständig, entgegengesetzt zu meinem Entwurf, plüschiges Welpensüß-Kontra gegeben. Ich hatte einen wahrhaftig authentischen Prototypen genäht, er hatte geflickte geknickte Ohren, ganz spiddelige Beine und einen ganz dünnen Bauch – das sind die Pfunde der Waldorfschulzeit, damals hatte ich einen wunderschönen Elefanten genäht. Die Chinesen jedoch antworteten immer mit Wesen, die aus in Einkaufs-Centern stehenden 1-EUR-Greiferarmboxen entfleucht zu sein schienen. Mit zu großem Kopf und riesigen Pfoten. Ich wollte aber nicht so plump auf die Tränendrüse drücken. Aber dann erblickten 3.000 Kalles endlich das Licht der Welt. Sie wurden in unsere Agentur geliefert. Ich konnte doch als werdende Mutter meine Brut nicht fremdlagern. Sie verdrängten aber spürbar Raum – ich hatte mich komplett verschätzt. Aber Improvisieren ist eine meiner größten Stärken – ich baute einen Turm in unser Loft, der peu à peu schrumpfte. Und zum Glück waren wir erfolgreich. Eineinhalb Jahre später konnte ich bereits die nächste Edition angehen – Kalle in grau.

Wir bekamen Routine in der Hundeherstellung und erlangten wieder Kräfte. Hinzu kam dann noch die Erkenntnis, dass Kindern in ihrer Kindheit gleich von Anbeginn an (Schwangerschaft) geholfen werden könnte. Wir AGAPIS setzten uns also wieder zusammen, hirnten und schwups entstand die nächste Produkt-Idee.

Was muss sich denn in der Gesellschaft verändern, damit diejenigen, die da mehr machen als die andern, nämlich die Alleinerziehenden und die Kinder, die alleine erzogen werden, respektiert und von uns anderen unterstützt werden?

Wie wäre es mit einem Kerl in jeder Kita. Die meisten allein erzogenen Kinder wachsen doch heran in einer Welle von überschwänglicher Weiblichkeit. Und die sie umgebenen Pädagoginnen strotzen meist vor Empfindlichkeit. Sie brauchen aber doch auch alle mal einen Mann zum Toben, sich auseinandersetzen, Ausprobieren und sich identifizieren – nicht nur den Trennungskindern fehlt häufig der Vater zum Boxen und Mami haut man nun mal nicht.

Wenn die Familie zerbricht, ist das die erste Krise in dem Leben der Kleinen. Wie wäre es mit Kindertrennungsgruppen mit einem Kerl als Co-Leiter, da treffen sich die Kinder, schließen sich zusammen und lernen voneinander – das stärkt und macht sie selbstbewusst.

Oder ein Eltern-Navi. Wir haben doch auch alle mittlerweile eine Uschi im Auto, die sagt, wo es langgeht. Das würde Eltern vielleicht auch helfen. Man könnte Trainings anbieten – damit sich die in Trennung befindenden Elternteile zusammenraufen lernen und ihr Kind vor lauter Streiten nicht aus den Augen verlieren. Beide bleiben doch Eltern und je potenter sie weiterhin zusammenarbeiten, umso besser geht es ihrem Kind.

Auch so eine Art Feuerwehr, die Eltern in Not unter die Arme greift, wäre doch toll. Was macht denn eine Mutter, deren Kind just krank wird, wenn sie ein wichtiges Bewerbungsgespräch hat. Dann könnte die Feuerwehr angerufen werden – die hätten nämlich eine 24-Stunden-Kinderbetreuung in petto. Oder gar ein Kinderhotel. Dann könnte man den Kleinen auch mal einen „Elternfrei-Gutschein“ schenken.

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„Sie sind doch gar nicht allein erziehend, geschweige denn Mutter?“, werde ich häufig gefragt. Stimmt, ich bin nur Unternehmerin und habe diese Sorgen nicht. Doch lebe ich in dieser Gesellschaft, in der sich die Spielregeln drastisch verändern. In der Müttern und Vätern, die den Job der Erziehung alleine übernehmen müssen, oft nicht mehr viel Zeit bleibt, ihren Kindern die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Und in der sogar viele Kinder verarmen.

Wir schufen also sinnvolle Produkte, die indirekt Kindern helfen und hefteten ihnen eine Botschaft an, die die Gesellschaft zum Denken anregt und einen Geist ins Rollen bringt. Sie machen Freude, die Sinnkind-Produkte und helfen parallel im Haushalt aus oder nehmen uns ernst und muntern uns auf.

Und weil jetzt Weihnachten vor der Tür steht, haben wir unsere Kräfte mal wieder geballt und uns zusammengetan. Die Fotografin Cordula Kropke hat uns mit dem Shooting gesponsert, sowie ihre Tochter das Wundertütenmodel ist, die AGAPIS (einschließlich meiner Selbst) haben die weiblichen Models verkörpert und mein toller Mann ist auch mit dabei. Das nenne ich mal durchwachsenes Engagement. Dass ich meinen Herzensprojekten alles gebe, ist das eine, aber dass meine Mitarbeiterinnen soweit gehen, Modell zu stehen … Chapeau Mädels! Ich bin sehr gerührt.

Danke ihr Lieben.

Agapi